Das Denkmal für den Marqués de Larios in Málaga

Ein Denkmal im Wandel der Geschichte

Das Denkmal für den Marqués de Larios steht heute auf der Alameda Principal, und zwar dort wo die Calle Marqués de Larios abzweigt, die schönste und prächtigste Straße von ganz Málaga. In der Calle Marqués de Larios sind heute die teuersten Geschäfte. Alle großen Modeketten sind hier mit einem Laden vertreten. Fast das ganze Jahr durch wird die Straße mit Blumen geschmückt, die in Ampeln an den Straßenlaternen angebracht sind. Abends promenieren die wohlhabenden Bürger von Málaga gutgekleidet diese Straße auf und ab, um danach in einer der vielen Bars oder in einem Restaurant in einer der Seitenstraßen den Tag ausklingen zu lassen.

Doch nun zurück zum Denkmal. Dieses Denkmal hat eine Geschichte, die Zeugnis gibt von politischen Veränderungen, von sozialen Spannungen und wirtschaftlichem Niedergang, von Ausschreitungen, Revolutionen und vom Bürgerkrieg.

Die Entstehung

Das Ende des 19. Jahrhunderts war eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Die Stahlindustrie, die der Stadt, vor allem aber den Industriellen, zu großem Reichtum verhalf, hatte einen großen Einbruch. Die Arbeitslosigkeit erreichte ihren Höhepunkt. Außerdem zerstörte die Reblaus die komplette Weinernte, einen ebenfalls wichtigen Wirtschaftszweig von Málaga. So war das Sanierungsvorhaben der Stadtväter für diese damals schäbige Straße finanziell nicht machbar. Doch dann kam das Angebot des Marqués de Larios, eines sehr vermögenden Industriellen, sehr gelegen. Er bot der Stadt an, sich an der Sanierung der Straße mit einem großen Geldbetrag zu beteiligen, um im Gegenzug das Recht zu erwerben, die Häuser links und rechts der Straße zu erstellen. 1891 war die Straße fertig. Sie erhielt den Namen ihres Förderers und die Stadt beschloss, darüberhinaus dem Marqués de Larios ein Denkmal zu erstellen.

Im Jahre 1899 wurde das Denkmal eingeweiht. Man hatte es auf die Alameda Principal gestellt. Dafür hat man eine große Rotunde erstellt, damit das Denkmal gut zur Geltung kommt. Hoch oben auf dem Sockel steht der Marqués de Larios, gekleidet mit Gehrock, den Blick gerichtet auf das Haus der Familie Larios. So konnte der lebendige Marqués de Larios von seinem Fenster aus seinem bronzenen Ebenbild mit großer Genugtuung in die Augen schauen. Am Fuße des Sockels sind Statuen einer Mutter mit Kind und eines Arbeiters mit geschultertem Pickel und Hacke. Diese Figuren symbolisieren die Fürsorge und die Arbeit.

Entweihung und Verlust

Nach Ausrufung der zweiten Republik im Jahre 1931 kam es in der Stadt zu großen Ausschreitungen. Kirchen und Klöster wurden geplündert. Die Mob holte die Bronzestatue des Marqués von ihrem Sockel, schleifte sie durch die Straßen um sie letztlich im Hafenbecken zu versenken. Dafür wurde der Arbeiter, der dem Oligarchen zu seinem Reichtum verhalf, auf den Sockel gestellt. Auch die Mutter mit Kind wurde etwas höher am Sockel befestigt.

Wiedererrichtung

Nach einem Militärputsch und dem Ende des spanischen Bürgerkrieges holte man die Statue des Marqués wieder aus dem Wasser. Algen und Patina wurden entfernt. Eine Schweißnaht am Kopf wurde repariert. Arbeiter und Mutter mit Kind erhielten wieder ihren ursprünglichen Platz am Fuß des Sockels.

Umgestaltung

Im Jahre 1989 wurde unter der Plaza de la Marina eine große Tiefgarage gebaut. Dazu musste das Denkmal komplett entfernt werden. Nach Streitigkeiten und Diskussionen, an denen sich auch die Urenkelin des Bildhauers beteiligte, wurde auf der Tiefgarage wieder ein geeignetes Fundament errichtet, wenn auch etwas kleiner als ursprünglich. So steht es nun wieder auf der Alameda Principal, am Ende der Calle Marqués de Larios.

Viele Namen für einen Platz

Auch interessant: Die Plaza de Constitución hat schon viele Umbenennungen hinter sich. Schon zur Zeit des Nasriden war es ein öffentlicher Platz. Im Jahre 1812, nach der Befreiung aus napoleonischer Besatzung und Ausrufung der ersten Republik war es der Platz der Verfassung. Dann war es der Platz der Freiheit, der Platz der föderalen Republik, Platz des 14. April, Platz José Antonio Primo de Rivera. Und heute ist es wieder der Platz der Verfassung.

 

 

 

Soltarse el pelo

Im Spanischen gibt es die Redewendung „Soltarse el pelo“. Man kann diesen Ausdruck natürlich wörtlich übersetzen. Ein Tier verliert seine Haare, wenn es in der Mauser ist. Eine Frau mit langen Haaren kann ihre Frisur öffnen und die Haare über ihre Schultern fallen lassen. Doch meist will man mit diesem Ausdruck etwas ganz anderes sagen.

Die hoch gesteckten Haare sind eher als Symbol zu sehen, als Symbol für gesellschaftliche Zwänge und Anstand. Durch das Lösen der Haare macht man sich frei von gesellschaftlichen Zwängen.

Die Real Academia Española kennt diesen Ausdruck als umgangssprachliche Form und setzt ihn gleich mit „decidirse a hablar u obrar sin miramiento“, was ungefähr bedeutet „sich dazu entschließen, ohne Rücksicht zu sprechen und zu handeln“.

Man kann den Sinn ungefähr erfassen mit:

  • die Fassung verlieren
  • sich gehen lassen
  • seine Hemmungen verlieren
  • den Anstand hinter sich lassen

Andere Formen dieses Ausdrucks:

  • Soltarse la melena

Dijo la sartén

Es gibt die Redewendung „Le dijo la sartén al cazo: ¡aparta que me tiznas!“ Doch was will man damit sagen und woher kommt dieser Ausdruck?

Schon bei Cervantes heißt es:

–No más refranes, Sancho, pues cualquiera de los que has dicho basta para dar a entender tu pensamiento; y muchas veces te he aconsejado que no seas tan pródigo en refranes y que te vayas a la mano en decirlos; pero paréceme que es predicar en desierto, y castígame mi madre, y yo trómpogelas.
–Paréceme –respondió Sancho– que vuesa merced es como lo que dicen: „Dijo la sartén a la caldera: Quítate allá ojinegra„. Estáme reprehendiendo que no diga yo refranes, y ensártalos vuesa merced de dos en dos.

Der Ausdruck wird verwendet, wenn der Gesprächspartner einen auf etwas hinweist oder gar zurechtweist, obwohl dieser mehr Anlass bietet, zurechtgewiesen zu werden. Die Pfanne war früher das rußigste Kochgeschirr der Küche. Der Topf, in dem das Wasser gekocht wird, war zwar auch rußig, aber noch lange nicht so rußig wie die Pfanne. Wenn jetzt die Pfanne zum Topf sagt „Bleibe fern von mir, damit Du mich nicht schwarz machst!“, kann man den Sinn dieser Aussage verstehen.

Andere gebräuchliche Formen dieser Redewendung sind:

  • Dijo la sartén al cazo: ¡quítate que me tiznas!
  • Dijo la sartén al cazo: ¡apártate, que me tiznas!
  • Dijo la sartén a la caldera, quítate allá, culinegra.
  • No te acerques que me tiznas, le dijo la sartén al cazo.

Im Deutschen gibt es sinnverwandte Redewendungen:

  • Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.
  • Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? (Matthäus 7 Vers 3)

 

 

Letzter Unterrichtstag

Heute ist mein letzter Unterrichtstag im Colegio Delibes. Der Curso Conversacional wird heute von Elena durchgeführt. Wir sind noch zu viert. Alexia ist bereits heute abgereist. Und für Jana ist es ebenfalls der letzte Tag am Colegio.

Wir üben heute Sätze mit dem condicional. Dazu machen wir ein Spiel. Ein Schüler verlässt den Raum. Die anderen überlegen sich eine Problemsituation, in der sich der Mitschüler befindet.  Er wird dann herein gerufen und muss erraten, welches Problem er hat. Dazu helfen ihm die anderen mit Sätzen wie: Yo en tu lugar haría …, yo diría…, yo pediría perdón…

Die Stunde geht so schnell vorbei. Elena macht noch ein Bild von uns. Dann verabschieden wir uns gegenseitig.

v.l.n.r.: Jana, Rolf, Sonia, Michael

v.l.n.r.: Jana, Rolf, Sonia, Michael

Unterricht bei Cynthia

Heute ist der letzte Unterrichtstag bei Cynthia, denn am Freitag wird jemand anderes den Grammatikunterricht halten. Wir lernen die Umschreibungen mit tener que + infinitivo, deber + infinitivo, haber que + infinitivo und haber de + infinitivo. Dabei ist zu unterscheiden, in welchem Fall eine Vermutung, eine Wahrscheinlichkeit oder eine Verpflichtung vorliegt. Dann beginnen wir noch die Lerneinheit oraciones de relativo.

Zur Auflockerung des Unterrichts gibt’s mal wieder einige Ausdrücke und Sprüche, die in keinem Lehrbuch stehen. Auch ein Witz ist wieder mal dabei, unterstes Niveau. Mariana, wohlerzogen aus gutem Hause, la reina de la clase, versteht den Witz nicht. Wer kann weiterhelfen? Cynthia bittet mich, Mariana den Witz zu erklären. Leider reichen meine Spanischkenntnisse dazu nicht aus. Zumindest sage ich das. Als danach noch Mariana einen neuen Ausdruck in español coloquial nicht versteht, malt Cynthia das Körperteil an die Tafel. Jetzt ist es auch Mariana klar.

Einen so fröhlichen und gelösten Unterricht wie bei Cynthia habe ich nie erlebt. Dabei habe ich dennoch viel gelernt: oraciones independientes mit Gebrauch der Wörter así, igual, sobre, hacia. Dann die oraciones sustantivas. Das war wirklich ein schwerer Brocken. Aber ich glaube, ich habe es jetzt begriffen. Hier geht es um die Verwendung von Verben, die ein Verstehen, ein Wahrnehmen, eine Mitteilung, ein Gefühl, einen Wunsch, einen Befehl oder ein Verbot ausdrücken. Es gibt Satzkonstruktionen mit que oder ohne que. Dabei gibt es unzählige Konstellationen, bei denen man genau wissen muss, wann der indicativo und wann der subjuntivo zu verwenden ist. Dazu kommt noch der Gebrauch der Verben ser, estar, parecer mit que. Hier wird der subjuntivo verwendet. Ausnahme: bei es verdad, está claro, es evidente folgt der indicativo, es sei denn die Aussage ist verneint. Dann wiederum folgt der subjuntivo.

Die zwei Wochen gingen leider viel zu schnell vorbei. Die meisten meiner Klassenkameraden dürfen noch länger bleiben. Aber im nächsten Jahr sehen wir uns vielleicht wieder. Mal sehen, wen ich dann noch alles kenne.

v.l.n.r.: Bander, Marcos, Ahmed, Rolf, Cynthia, Hakim, Mariana

v.l.n.r.: Bander, Marcos, Ahmed, Rolf, Cynthia, Hakim, Mariana

Stadtführung mit Paqui

Eine Woche Unterricht habe ich schon hinter mir. Die Zeit vergeht hier schneller als einem lieb ist. Ich habe mich für die Stadtführung angemeldet, die um 11 Uhr beginnt. Die gebildete und immer gut gelaunte Paqui führt uns zu den Gebäuden, die eine Geschichte haben. Wir sind zu dritt. Mit dabei ist noch Lidiane aus Salvador de Bahia. Sie ist erst gestern angekommen und wird ein halbes Jahr an der Schule bleiben. Wir gehen die Calle Zamora bis zur Plaza de los Bandos. Dieser Platz heißt so, da er früher die Grenze zwischen den beiden verfeindeten Teilen der Stadt bildete, die jeweils von einer anderen einflussreichen Familie beherrscht wurden.

Straßencafés an der Plaza Mayor in Salamanca

Straßencafés an der Plaza Mayor in Salamanca

Weiter geht es zur Plaza Mayor. Der Platz wurde von Alberto de Churriguera im Barockstil gestaltet und zum größten Teil auch erbaut. Vollendet wurde der Platz von Andrés García de Quiñones. Dieser hat auch das Rathaus errichtet, das ebenfalls einen Teil der Umbauung des Platzes darstellt.

Wir gehen weiter zum Palacio de Monterrey. Alonso de Zúñiga y Acevedo Fonseca, der dritte Conde de Monterrey, ließ dieses Gebäude errichten. Es besitzt zwei Türme, die an den damaligen italienischen Baustil erinnern. Heute gehört der Palast der Herzogin von Alba, die ebenfalls den Titel der XVI Condesa de Monterrey trägt.

Calle Compañía in Salamanca

Calle Compañía in Salamanca

Wir gehen weiter auf der Calle de la Compañía. An der Casa de la Concha bleiben wir stehen. Die Fassaden dieses Hauses sind, wie der Name es sagt, mit Muscheln aus Sandstein geschmückt. Der Eingang zum Patio ist nicht, wie es damals üblich war, geradlinig sondern führt zuerst nach rechts und dann wieder nach links, um neugierigen Passanten den Blick auf den Patio zu verwehren und eine gewisse Intimität zu wahren. Auch hier sehen wir verschiedene Baustile, Renaissance und Gotik. Vom ersten Stock aus hat man nicht nur einen schönen Blick in den Patio, sondern vor allem auf den oberen Teil der Fassade und auf die beiden Türme der Iglesia del Espíritu Santo La Clerecía.

Die Türme der Iglesia del Espíritu Santo La Clerecía

Die Türme der Iglesia del Espíritu Santo La Clerecía

Wir gehen in Richtung Universität. Bereits hier in der Calle de los Libreros sehen wir viele sogenannte Vítores an den Hauswänden (span. vitorear = zujubeln). Vor dem Standbild des Fray Luis de León bleiben wir stehen, schauen uns den schönen Platz an und gehen am Ende des Platzes durch einen kleinen Durchgang zu den Escuelas Menores.

Wir kommen zurück auf den Platz und schauen auf das prächtige Portal der Escuelas Mayores. Das Portal ist in Paradebeispiel des plateresken Stils, der Elemente aus Renaissance, Gotik und Mudéjar beinhaltet. Wie jedem Touristen zeigt uns Paqui unter den vielen Figuren der Fassade auch den Frosch, der eine tiefsinnige, warnende Bedeutung hat. Damit sollten die Studenten vor den Gefahren gewarnt werden, wenn sie sich in das damals angrenzende Vergnügungsviertel begaben. Denn zu dieser Zeit hatten die Krankheiten, die man sich bei den „Damen“ einfing, meist einen tödlich endenden Verlauf.

Werfen wir noch einen Blick auf die Portale der neuen Kathedrale. Nicht nur die drei großen Portale am Haupteingang sind beachtenswert, auch das neu renovierte Portal eines Seiteneingangs ist interessant.

Der Astronaut von Salamanca

Der Astronaut von Salamanca

Hat sich doch unter die Figuren tatsächlich ein Astronaut verirrt. Den Steinbildhauer, der mit den Arbeiten betraut war, hätte man dafür beinahe gelyncht. Doch heute ist der Astronaut eine Touristenattraktion und ein Beispiel dafür, dass neben den großen Dingen auch kleine Details interessant sein können.

 

 

 

Literarischer Spaziergang durch Salamanca

Salamanca - Calle de Zamora

Salamanca – Calle de Zamora

Heute Abend führt uns Marga vom Colegio durch Salamanca und zeigt uns die Orte, die eine literarische Bedeutung haben. Wir sind zu fünft: Marga, Jacques aus Belgien und noch zwei Franzosen, deren Namen ich mir nicht merken konnte. Wir starten vor dem Colegio, gehen die Avenida Italia bis zum Kreisverkehr Puerta die Zamora, überqueren die Straße, gehen vorbei an der runden Iglesia di San Marcos die Calle Zamora hinunter in Richtung Plaza Mayor. An der Plaza de los Bandos bleiben wir am Standbild von Carmen Martín Gaite stehen. Sie war Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Journalistin.

Wir besichtigen das Café Novelty  an der Plaza Mayor. Miguel de Unamuno (Philosoph, Schriftsteller und Rektor der Universität), Ortega y Gasset (Philosoph und Literaturnobelpreisträger), Torrente Ballester und weitere bekannte Schriftsteller und Gelehrte verkehrten hier. Gonzalo Torrente Ballester sieht man heute noch als Bronzefigur im Café sitzen.

Vor dem alten Universitätsgebäude steht eine Statue von Fray Luis de León, einer der großen Lyriker Spaniens. Er war ein Augustinermönch und lehrte an der Universität. Als seine jüdische Herkunft bekannt wurde kam er vor ein Inquisitionsgericht und saß fünf Jahre lang im Kerker. Nach seiner Freilassung setzte er seine fünf Jahre zuvor begonnene Vorlesung sinngemäß mit den Worten fort: „Machen wir an der Stelle weiter wo wir gestern aufgehört hatten.“

 

Huerto de Calixto y Melibea

Huerto de Calixto y Melibea

Wir gehen weiter durch die enge Gasse Calle Calderón de La Barca vor zur Kathedrale, dann links in die Calle Patio Chico, vorbei an der Jugendstilvilla Casa Lis, bis wir durch einen Torbogen einen schönen Garten erreichen. Dieser Garten ist der Schauplatz der Tragikomödie La Celestina von Fernando de Rojas. Hier trafen sich die Geliebten Calisto und Melibea. Wir gehen vor bis zur Stadtmauer. Von hier aus haben wir einen Blick auf den Paseo Rector Esperabé und das Hotel Rector, in welchem schon der König logierte.

Salamanca - Blick von der Stadtmauer auf den Paseo Rector Esperabé

Salamanca – Blick von der Stadtmauer auf den Paseo Rector Esperabé

Wir gehen wieder zurück und nehmen den Weg zur römischen Brücke. Vor der Brücke steht das Denkmal des Lazarillo. Lazarillo ist eine Romanfigur im wohl ersten Schelmenroman der Literaturgeschichte. In diesem Roman, dessen Autor bis heute nicht bekannt ist, wird beschrieben wie der mittellose Blindenführer Lazarillo lernt, wie man sich durch das Leben schlägt und wie man auf der Straße überleben kann. Denn dort gelten andere Regeln als im bürgerlichen Leben.

Wir schauen noch über die alte Brücke und sehen auf der anderen Seite den relativ neuen Parador. Ein wirklich hässliches Bauwerk, das in der alten Stadt voller Baudenkmäler keinen Platz hätte. Hier verabschieden wir uns gegenseitig und jeder geht seinen Weg nach Hause.

Salamanca - römische Brücke und Kathedrale

Salamanca – römische Brücke und Kathedrale

 

Konferenz Antonio Gaudí

Heute zeigt uns Paqui 100 (!) Bilder von Werken des wohl berühmtesten katalanischen Architekten Antonio Gaudí.

Eigentlich wollte ich mich zu dieser Konferenz nicht anmelden, da ich schon viel von Gaudí gehört, gesehen und gelesen habe. Das wäre ein großer Fehler gewesen, denn diese Konferenz war wohl die interessanteste und kurzweiligste, die uns Paqui je dargebracht hat.

Von Gaudí kennt wohl jeder die Sagrada Familia, vielleicht auch noch das eine oder andere Bauwerk in Barcelona und den Park Güell. Aber das ist noch lange nicht alles, was dieser begnadete Architekt geschaffen hat. Den Bischofspalast in Astorga hat er in der Form eines Märchenschlosses gestaltet. In León hat er die Casa de los Botines, ein Bankgebäude, erstellt. Und er war bereits zu Lebzeiten so berühmt und gefragt, dass sich ein wohlhabender Bürger von ihm eine Villa bauen ließ, nicht um sie zu bewohnen, sondern um ein Kunstwerk dieses berühmten Architekten zu besitzen.

Auch in der Verwendung der Architekturstile war Gaudí sehr vielseitig. Er war darauf bedacht, dass jedes seiner Werke ein Unikat ist. Bei der Gestaltung der Casa Vicens in Barcelona hat er sich weitgehend vom Mudéjarstil beeinflussen lassen. Dazu hat er bisher in dieser Form nicht verwendete Baumaterialien kombiniert, so z.B. farbige Backsteine, Keramik und Holz.

Gaudí war ein von der Arbeit besessener Künstler. Leider ist er viel zu früh verstorben. Er wurde von einer Straßenbahn erfasst und starb an den Verletzungen. Beerdigt ist er in der Sagrada Familia.

Vielen Dank liebe Paqui, das war ein hochinteressanter Vortrag.

Ich bin wieder Schüler

Salamanca - Puerta de Zamora

Salamanca – Puerta de Zamora

Es ist der erste Tag meines Sprachaufenthalts hier in Salamanca. Noch spüre ich die Anstrengung der gestrigen Anreise in meinen Knochen. Es war einfach ein zu langer Tag. ¡Menuda paliza mi viaje! Aber jetzt bin ich im Colegio. Es ist halb neun und ich habe bereits gefrühstückt. Das Foyer ist brechend voll mit Schülern. An der Rezeption werde ich gleich freundlich begrüßt, besonders herzlich von denen die mich bereits kennen, das sind Alfredo und María. Miguel, der Direktor des Colegio, gibt einige Information zum Ablauf und an wen man sich wann wenden kann. An der großen Wand hängen die Bögen mit den Namen wer in welchem Kurs ist.

Ich bin eingeteilt in den Curso Conversacional 5 bei Prof. Carolina Sánchez Pardo von 13:00 bis 14:00 Uhr, in den Curso Gramática Práctica bei Cynthia Jiménez Rodríguez von 14:00 bis 16:00 Uhr und in den Curso Gramática Comunicativa bei Prof. Luis González Gracia von 16:00 bis 18:00 Uhr.

Außerem gibt es laufend Zusatzangebote kultureller oder geselliger Art, die ich auch wahrnehmen will soweit es mir möglich ist.

Bei Carol -wie wir sie nennen- sind wir mit mir fünf Schüler. Jana ist aus Deutschland. Sie will in Köln ihren Master in Spanisch machen und braucht noch Perfektion. Sonia ist aus Polen. Sie ist Mathematiklehrerin. Michael ist aus Irland und will Zahnarzt werden. Und dann haben wir noch Alexia aus der Schweiz.

Colegio Delibes - Innenhof

Colegio Delibes – Innenhof

Bei Cynthia sind wir -sofern einmal alle vollzählig da sind- zu neunt. Aber das kommt selten vor. Meist sitzen wir zu viert oder fünft im Klassenraum. Die ganz treuen Schüler sind Mariana aus China. Mariana heißt natürlich nicht Mariana mit ihrem richtigen Namen. Aber da die chinesischen Namen nicht nur schwer zu schreiben, sondern auch schwer zu sprechen sind, bekommt jeder chinesische Schüler einen spanischen Namen, der dann ungefähr ähnlich klingt. Marcos und Ariel sind ebenfalls aus China. Dann sind noch die Jungs aus Saudiarabien. Ahmed, der immer gut drauf ist und uns ständig bei guter Laune hält und zum Lachen bringt. Die anderen Saudis heißen Hakim und Bander.

Cynthia ist noch sehr jung, aber dennoch sehr selbstbewusst, manchmal richtig übermütig, frech, muy atrevida. Sie ist immer guter Laune. Man merkt, dass ihr das Unterrichten Spass macht. Bei Cynthia lernen wir -außer der Grammatik- das español coloquial, also die Umgangssprache und die ist manchmal so, dass wir es lieber nicht ins Deutsche übersetzen. Dazu gehören auch ihre Witze, chistes verdes, die sie uns mit einem breiten Grinsen und ohne rot zu werden erzählt. Aber fragt mich bitte jetzt nicht, ob ich Euch einen dieser Witze erzähle.

Salamanca – Kulturerbe der Menschheit

Wir sind heute so spät beim Frühstück wie noch nie. Danach gehen wir die Stadt anschauen. Zuerst nehmen wir einen kleinen Abstecher zum Hotel, in dem ich im Juni wohnen werde, falls es mir zusagt. Auch hier wieder ist die Begrüßung überaus freundlich. Ich schaue mir ein Zimmer an. Alles sauber. Ich freue mich auf meinen nächsten Aufenthalt in Salamanca.

Kreuzgang im Kloster San Esteban in SalamancaWir gehen zum Kloster San Esteban, vorbei an wuchtigen Amtsgebäuden und teilweise unter den Arkaden, da es leicht regnet. Das Kloster San Esteban ist genauso prächtig wie alle Kirchen und Kathedralen (jawohl, es gibt hier sogar zwei Kathedralen) hier. Im Innern finden wir einen hellen Innenhof mit Kreuzgang. Auf den Dächern sieht man die Störche nisten und hört deren Geklapper. Für mich noch interessanter als die Kirche sind die Ausstellungsstücke im ersten Stock des Kreuzgangs. Es sind Gebrauchsgegenstände der Indios, Briefe, alte Landkarten, auch ein Wörterbuch Spanisch-Mangangué. Der Dominikanerorden, zu dem auch das Kloster San Esteban gehört, hat viel für die Indios in Südamerika getan, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg.

Wir gehen weiter, vorbei an der Cueva de Salamanca und werfen einen Blick in das Gebäude der Philologen, das zur Universität gehört. Im Innern finden wir einen neoklassizistischen Innenhof und einen groß angelegten Treppenaufgang. Die Wände des Innenhofs sind mit Victorsymbolen überzogen. Dies ist die Fortführung eines alten Brauchs. Früher hatte man für einen Studenten, der gerade den Doktorgrad erworben hat, mit Stierblut ein Buchstabensymbol, das aus den Buchstaben des Wortes Victor bestand, an die Wand gemalt. Heute nimmt man dazu eine dunkelrote Farbe. Diese hält auch länger.

Ich schließe diesen Artikel mit einem Zitat von Miguel de Cervantes, das ich heute gelesen habe, stierblutfarben aufgemalt an die Außenwand des ältesten Gebäudes der Universität:

La libertad, Sancho, es uno de los más preciosos dones que a los hombres dieron los cielos. Con ella no pueden igualarse los tesoros que encierra la tierra ni el mar encubre.